Zurück zum Ratgeber

SF-Klasse: Was Ihre Schadenfreiheitsklasse wirklich wert ist

Direkt zum Vergleich: Kfz-Versicherung

Zwei Fahrer mit dem gleichen Auto am gleichen Wohnort: Der eine zahlt fast 900 Euro im Jahr, der andere gut 200. Den Unterschied macht fast immer die Schadenfreiheitsklasse. Hier sehen Sie, was die einzelnen SF-Klassen in Euro bedeuten. Außerdem geht es um die Frage, wann Sie einen kleinen Schaden besser selbst bezahlen.

So funktioniert die Schadenfreiheitsklasse

Für jedes volle Kalenderjahr ohne gemeldeten Schaden steigen Sie eine SF-Klasse auf. Wer seit zwölf Jahren unfallfrei fährt, steht also in SF 12. Zu jeder Klasse gehört ein Beitragssatz in Prozent. Diesen Prozentsatz wendet der Versicherer auf den Grundbeitrag an, der sich vor allem aus Fahrzeugtyp und Regionalklasse ergibt.

Haftpflicht und Vollkasko führen getrennte SF-Klassen. Ein Kaskoschaden kostet Sie deshalb nur in der Vollkasko Rabatt, die Haftpflicht bleibt unberührt. In der Teilkasko gibt es keine Schadenfreiheitsklassen. Ein Wildunfall oder ein Hagelschaden wirkt sich also nicht auf Ihre Einstufung aus.

SF-Klassen-Tabelle: Beitragssätze von SF 0 bis SF 45

Jeder Versicherer legt seine Beitragssätze selbst fest. Die Tabelle zeigt deshalb Bandbreiten, wie sie im Markt üblich sind (Marktübersicht von Verivox, Stand 07/2026).

SF-Klasse Schadenfreie Jahre Haftpflicht Vollkasko
M (Malus)nach Schäden100–130 %65–110 %
SF 0072–105 %51–60 %
SF ½050–70 %42–50 %
SF 1143–58 %38–46 %
SF 2240–52 %36–42 %
SF 3336–48 %35–41 %
SF 5533–44 %33–38 %
SF 101026–37 %29–33 %
SF 151523–31 %26–29 %
SF 202021–29 %23–25 %
SF 252519–26 %21–23 %
SF 303018–24 %19–22 %
SF 353517–20 %18–20 %
SF 404015–18 %17–18 %
SF 454514–17 %15–17 %

Auffällig ist der Verlauf. In den ersten Jahren fällt der Beitragssatz steil, ab etwa SF 20 sinkt er nur noch um Bruchteile. Ein Aufstieg von SF 1 auf SF 5 bringt also deutlich mehr als einer von SF 30 auf SF 35.

Ein Vergleich der Prozentwerte zwischen zwei Versicherern führt in die Irre. Manche Gesellschaften setzen SF 0 mit 100 % an, andere rechnen mit ganz anderen Grundbeiträgen. Entscheidend ist allein der Euro-Betrag, den Sie am Ende zahlen.

Was die SF-Klasse in Euro bedeutet

Ein Rechenbeispiel mit einem angenommenen Haftpflicht-Grundbeitrag von 1.000 Euro und Werten aus der Mitte der Bandbreiten:

  • SF ½ mit 60 %: 600 Euro im Jahr
  • SF 5 mit 38 %: 380 Euro im Jahr
  • SF 10 mit 31 %: 310 Euro im Jahr
  • SF 25 mit 22 %: 220 Euro im Jahr

Gleiches Auto, gleicher Versicherer. Allein die schadenfreien Jahre machen hier fast 400 Euro Unterschied aus, bei Vollkasko kommt der Effekt noch einmal obendrauf.

Ersteinstufung: SF 0, SF ½ und der Zweitwagen

Fahranfänger starten in der Regel in SF 0. Besitzen Sie Ihren Pkw-Führerschein schon seit mindestens drei Jahren, ist beim ersten eigenen Vertrag SF ½ möglich. Das spart gegenüber SF 0 oft ein Drittel des Beitrags.

Für einen Zweitwagen haben viele Versicherer eine eigene Regelung. Steht das Erstfahrzeug in einer guten Klasse, beginnt der Zweitwagen besser als ein Neueinsteiger, je nach Gesellschaft in SF ½ oder höher. Der Erstvertrag behält dabei seine Klasse.

Eltern können ihre SF-Klasse auf ein Kind übertragen, ebenso Ehe- und Lebenspartner untereinander. Übernommen werden aber höchstens so viele Jahre, wie der Empfänger selbst den Führerschein besitzt. Der Abgebende fängt danach wieder unten an. Das lohnt sich vor allem, wenn die Eltern ohnehin kein eigenes Auto mehr fahren.

Rückstufung nach einem Schaden

Reguliert der Versicherer einen selbst verursachten Schaden, rutschen Sie zum nächsten Jahreswechsel mehrere Klassen nach unten. Wie weit, regelt die Rückstufungstabelle Ihres Tarifs. Ein Beispiel der HUK-COBURG: Aus SF 9 wird nach einem Haftpflichtschaden SF 3. Wer bereits in einer niedrigen Klasse steht, landet nach einem Schaden schnell in der Malus-Klasse.

Gegen die Rückstufung gibt es zwei Zusatzbausteine. Ein Rabattschutz verhindert die Rückstufung bei einem Schaden pro Jahr, kostet aber selbst Beitrag. Und er gilt nur bei Ihrem jetzigen Versicherer: Wechseln Sie, meldet er dem neuen Anbieter die Klasse, die Sie ohne Rabattschutz hätten. Der sogenannte Rabattretter erlaubt einen Schaden ohne Rückstufung, sobald Sie eine bestimmte Klasse erreicht haben. Ob sich das rechnet, zeigt nur der Euro-Vergleich mit und ohne Baustein.

Schaden selbst zahlen: Wann es sich lohnt

Bei kleineren Schäden lohnt eine kurze Rechnung. Stellen Sie die Schadenhöhe den Mehrbeiträgen der nächsten Jahre gegenüber. Wichtig dabei: Der Abstand von mehreren Klassen bleibt, bis Sie Ihren Vertrag aufgeben. Sie holen ihn nie wieder auf.

Im Beispiel oben läge ein Fahrer nach einem Schaden in SF 3 statt in SF 10. Bei 1.000 Euro Grundbeitrag sind das im ersten Jahr rund 110 Euro mehr, und der Abstand schrumpft nur langsam. Ein Parkrempler für 400 Euro ist selbst bezahlt deshalb meist günstiger.

Sie müssen das nicht sofort entscheiden. Die meisten Versicherer lassen Ihnen nach der Regulierung Zeit, den Betrag zurückzuzahlen und den Schaden damit „zurückzukaufen“. Die Frist steht in den Bedingungen, bei der HUK-COBURG sind es zum Beispiel zwölf Monate.

SF-Klasse beim Wechsel und bei einer Pause

Ihre Schadenfreiheitsklasse gehört Ihnen und nicht dem Versicherer. Beim Wechsel fragt der neue Anbieter Ihren Schadenverlauf beim alten ab, Sie müssen nichts nachweisen. Der übliche Wechseltermin ist der 30. November, nach einer Beitragserhöhung haben Sie zusätzlich ein Sonderkündigungsrecht.

Haben Sie eine Zeit lang kein Auto, verfällt die Klasse nicht sofort. Wie lange sie erhalten bleibt, regelt jeder Versicherer selbst: Häufig sind es sechs bis sieben Jahre, die HUK-COBURG übernimmt den Schadenverlauf bis zu zehn Jahre. Danach beginnen Sie wie ein Neukunde.

Häufige Fragen

Wie finde ich meine aktuelle SF-Klasse heraus?
Sie steht auf Ihrer Beitragsrechnung, getrennt für Haftpflicht und Vollkasko. Im Zweifel genügt eine Nachfrage beim Versicherer.
Steigt die SF-Klasse auch, wenn ich wenig fahre?
Ja. Gezählt werden versicherte Kalenderjahre ohne regulierten Schaden, die Kilometerzahl spielt für die Einstufung keine Rolle.
Gibt es eine höchste SF-Klasse?
Das legt jeder Versicherer fest. Viele Tarife enden bei SF 35, andere führen die Tabelle bis SF 50 oder darüber hinaus weiter.
Verliere ich bei einem Teilkaskoschaden Rabatt?
Nein. Die Teilkasko kennt keine SF-Klassen, ein Glasbruch oder Wildschaden ändert Ihre Einstufung nicht.

Kfz-Versicherung vergleichen

Kostenlos und unverbindlich: Mit Ihren Angaben sehen Sie direkt, was die Tarife verschiedener Anbieter in Euro kosten.

Ihre Angaben werden verschlüsselt übertragen. Datenschutzerklärung